Pyramidenbau ohne Hightech

Große Bauwerke faszinieren Menschen schon immer. Und schon immer wollten Menschen Strukturen errichten, die ihre Mitmenschen staunen ließen, weil sie sich das „wie“ nicht erklären konnten. Das fing mit Megalith-Bauten an und setzt sich bis zu den heutigen Super-Wolkenkratzern fort.
Auch die großen ägyptischen Pyramiden in Giseh gehören zu dieser Kategorie, und noch heute rätseln viele Menschen, wie „Steinzeitwilde“[1] wie die Ägypter so etwas schafen konnten, wenn selbst heutigen Ingenieure zugeben, keine Ahnung darüber zu haben. So hört man häufig, dass man selbst mit moderner Technik Bauwerke wie die Cheops-Pyramiden nicht errichten könne.
Dennoch gibt es in der Archäologie viele Theorien darüber, wie sie doch von den Ägyptern gebaut werden konnten. Ich will all diesen Thesen keine Neue hinzufügen, sondern eine Reihe von Machbarkeitsstudien zu bestimmten Teilbereichen durchführen, die von den Gegnern des ägyptischen Pyramidenbaus als größte Hindernisse angesehen werden.

Das größte Problem: es wurde keine vollständige ägyptische Beschreibung über den Pyramidenbau überliefert. Wir haben nur Versatzstücke, aus denen man verschiedene Methoden ableiten kann. Die vorhandenen Lücken werden mit Ideen gefüllt, wie man es hätte machen können. Einige Ägyptologen favorisieren Rampen in teilweise bizarren Formen, andere Schrägaufzüge oder Hebemaschinen auf Stufenkernen (die Pyramide wird zuerst als 6-7 stufiger Kern aus großen Blöcken aufgebaut, dessen Stufen dann mit kleineren Blöcken aufgefüllt werden). Ein Professor Davidovits (der trotz des Titels ein ägyptologischer Laie ist) behautet gar, ein Großteil der Steine seien auf der Baustelle mit einer Art Frühbeton gegossen worden.
Daraus wird gefolgert, dass „die Wissenschaft“ eigentlich überhaupt nichts weiß und der Bau mit herkömmlichen Methoden daher völlig ungeklärt sei. Also ein Rätsel.
In Experimenten wurden viele der Thesen praktisch ausprobiert, mache klappten gut, andere konnten weniger überzeugen, letztlich haben die Wissenschaftler aber einen großen Fundus an Methoden, mit denen man die anstehenden Probleme bewältigen konnte.
Einigen alternativen Autoren ist das aber nicht genug. „Solange man nicht erklären kann, wie jeder einzelne Stein auf die Pyramide kam, bleibt die Pyramide ein ungeklärtes Rätsel“ sagte mir ein Autor. Nun ja, ich habe keine Ahnung, wie die Steine meines Hauses nach oben transportiert wurden, aber genau wie bei den Ägyptern kenne ich Methoden, die von Bauarbeitern dafür verwendet werden. Welcher Stein mit welcher Methode bewegt wurde, ist heute nicht mehr feststellbar. Ist mein Haus also auch ein ungeklärtes Rätsel?
Interessanterweise gibt es aber auch bei den Anhängern exotischer Thesen kein einheitliches Modell, sondern mindestens so viele wie auf Seiten der klassischen Wissenschaft. Einige gehen von geheimen Technologien aus, die die Ägypter besaßen, und die inzwischen vergessen wurden. Ein Beispiel ist die "sonische Levitation" - das Schweben der Steine per Schallwellen. Andere sagen, die Pyramiden seien viel älter als die ägyptische Zivilisation, und sie seien von einer untergegangenen technischen Vorzivilisation wie Atlantis errichtet worden.
Die große Gruppe der Prä-Astronautik[2] (PA) geht gar von außerirdischen Entwicklungshelfern aus. Auch wenn Vertreter dieser Gruppe in letzter Zeit immer wieder betonen, niemand hätte je (direkt) gesagt, dass Außerirdische die Pyramide selbst gebaut hätten, findet man in praktisch jedem Buch zu diesem Thema Berechnungen die belegen sollen, dass Menschen, und erst recht Ägypter, niemals zum Bau in der Lage gewesen wären. Was also sollen diese Rechnungen denn sonst aussagen, außer „Außerirdische waren es“?

Allerdings gibt es einen großen Unterschied zwischen den wissenschaftlichen Thesen und den Ideen alternativer Autoren: Viele wissenschaftliche Modelle wurden durchgerechnet und durch Experimente belegt, und würden funktionieren. Somit hat man nicht eine funktionierende Theorie, sondern dutzende. Man weiß nur nicht, welche der funktionierenden Methoden wann von wem eingesetzt wurde.
Von den Vertretern alternativer Methoden habe ich noch kein einziges im Detail vorgelegtes Baumodell gesehen. Niemand hat je demonstriert, wie man einen Pyramidenblock schweben lässt, durchkalkuliert wie viele summende Mönche man dafür bräuchte, oder gezeigt, wie man mit Plasmaschneidern so unregelmäßige Oberflächen hinbekommt wie man sie an den Pyramidensteinen erkennen kann.

Problemanalyse

Steht man vor der Großen Pyramide denkt man unwillkürlich „So etwas kann man doch nie bauen“. Das gilt auch für andere Objekte, die viel komplizierter aufgebaut sind wie die Pyramiden, wie einen Flugzeugträger. Von einem aus demm 2. Weltkrieg habe ich neulich einen detaillierten Bauplan gesehen – unmöglich so etwas zu planen, möchte man meinen. Dennoch existiert beides, und von dem weit komplizierteren Flugzeugträger weiß ich, dass er von Menschen geplant wurde – und das sogar ohne Computer.
Das Geheimnis ist, das Riesenproblem in kleine Teilstücke herunterzubrechen, die man dann unabhängig voneinander lösen kann. Und setzt man diese Teillösungen dann zusammen, hat man ein funktionsfähiges System. Das macht man so beim Schiffsbau, und das ist auch beim Pyramidenbau notwendig.
Beim Flugzeugträger weiß ich, dass ich Kabinen mit Versorgungsleitungen, Motoren, Hangardecks etc. brauche, deren Entwurf ich an Spezialabteilungen weitergeben, die wiederum Experten für die Untermodule in ihrem Teilsegment einsetzen, die selbst auf weitere Experten angewiesen sind...
Die fertigen Module setzt man dann zusammen, zieht die notwendigen Versorgungsstränge und konstruiert dann eine Hülle darum herum. Kein einzelner Mensch könnte jemals einen kompletten Flugzeugträger selbst entwerfen.
Diese Identifikation und Beschreibung der Einzelschritte nennt man Problemanalyse.
Wichtig ist auch die Analyse der Teilprobleme: Sind alle lösbar, oder gibt es sogenannte Showstopper, die das Gesamtproblem unlösbar machen? So wäre es zum Beispiel im Jahre 1850 problemlos möglich gewesen, einen Doppeldecker aus dem 1. Weltkrieg zu entwerfen und zu bauen. Allerdings wäre die Motorisierung der Showstopper gewesen, denn aus den klobigen Dampfmaschinen dieser Zeit konnte man unmöglich die zum Antrieb nötige Leistung herausholen.

Teilprobleme beim Pyramidenbau

Der Pyramidenbau besteht prinzipiell aus diesen Teilproblemen, die ihrerseits weiter zerlegt werden können:

Die Planung und Vorbereitung ist ein sehr umfangreiches Thema, und wird in dieser Version noch nicht besprochen. Das Haupt-Augenmerk gilt im Moment den Transportproblemen und ihren möglichen Lösungen. Zusätzlich bespreche ich noch einige existierende Modelle, die auf den ersten Blick einleuchtend sind, aber bei genauem Hinsehen impraktikabel sind.

Anmerkungen:
[1] Der Autor Erich von Däniken nannte in seinem Vortrag Götterdämmerung Pharao Snofru, den Vater von Cheops und größten Pyramidenbauer Ägyptens, mit drei monumentalen Pyramiden, „Steinzeitheini“
[2] Präastronautik, auch Paläo-SETI, ist eine Bewegung die davon ausgeht, dass die Menschheit in der Vergangenheit Besuch von Außerirdischen erhielt die in die Menschheitsentwicklung eingriffen. Dafür suchen sie Belege und versuchen wissenschaftliche Erklärungen die ohne sie auskommen zu widerlegen. Bislang allerdings erfolglos.
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Alle Bilder und Texte © Frank Dörnenburg